Zentrum


Zentrum

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Zen|trum ['ts̮ɛntrʊm], das; -s, Zentren ['ts̮ɛntrən]:
1. Mitte, Mittelpunkt von etwas:
das Zentrum eines Kreises; im Zentrum des Platzes steht ein Denkmal.
2. Innenstadt:
sie wohnt im Zentrum.
Zus.: Stadtzentrum.
3.
a) Gruppe von Menschen, Institution o. Ä., die bei etwas führend ist, von der etwas ausgeht:
das Zentrum der Revolution; das geistige Zentrum des Landes.
b) einem bestimmten Zweck dienende zentrale Einrichtung:
ein Zentrum für Senioren.
Zus.: Einkaufszentrum, Forschungszentrum, Pressezentrum, Rechenzentrum, Sportzentrum.

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Zẹn|trum 〈n.; -s, Zẹn|tren〉
1. 〈a. fig.〉 Mitte, Mittelpunkt, Schwerpunkt
3. wichtige öffentl. Einrichtung
4. 〈Pol.; kurz für〉 Zentrumspartei
● das \Zentrum der Macht; das industrielle \Zentrum liegt im Norden; \Zentrum für osteuropäische Studien; im \Zentrum der Besprechung, des Interesses 〈fig.〉; im \Zentrum der Stadt wohnen [<lat. centrum <grch. kentronStachel; Einstich des Zirkels, Kreismittelpunkt“]
Die Buchstabenfolge zen|tr... kann in Fremdwörtern auch zent|r... getrennt werden.

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Zẹn|t|rum , das; -s, …tren [mhd. zenter < lat. centrum = Mittelpunkt < griech. kéntron, eigtl. = Stachel(stab); ruhender Zirkelschenkel, zu: kenteĩn = (ein)stechen]:
1. Mittelpunkt, Mitte:
das Z. eines Kreises, einer Kugel;
das Z. eines Erdbebens, eines Gewitters;
im Z. (Stadtzentrum) wohnen;
Ü etw. steht im Z. des öffentlichen Interesses.
2.
a) zentrale Stelle, die Ausgangs- u. Zielpunkt ist; Bereich, der in bestimmter Beziehung eine Konzentration aufweist u. daher von erstrangiger Bedeutung ist:
das industrielle Z. des Landes;
die Stadt ist ein bedeutendes wirtschaftliches, kulturelles, geistiges Z.;
die Zentren der Macht;
b) einem bestimmten Zweck dienende zentrale Einrichtung; Anlage, wo bestimmte Einrichtungen (für jmdn., etw.) konzentriert sind:
ein Z. für die Jugend.

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Zẹntrum
 
[lateinisch centrum »Mittelpunkt«, von gleichbedeutend griechisch kéntron, eigentlich »ruhender Zirkelschenkel«, zu kenteĩn »(ein)stecken«] das, -s/...ren,  
 1) allgemein: Mitte, Mittelpunkt.
 
 2) Mathematik: die Menge aller Elemente z einer Gruppe G, die mit allen Elementen g von G vertauschbar sind, d. h. für die zg = gz für alle gG gilt. Das Zentrum von G ist der Zentralisator von G und eine kommutative Untergruppe von G, die ein Normalteiler ist.
 
 3) Politik: Kurzbezeichnung für die Deutsche Zẹntrumspartei, auch Zẹntrumspartei, die Partei des politischen Katholizismus, genannt nach ihren Plätzen in der Mitte des Sitzungssaales im Parlament; gegründet 1870/71.
 
 
Vorläufer des Zentrums waren der »Katholische Verein« in der Frankfurter Nationalversammlung und eine »Katholische Fraktion« im preußischen Landtag ab 1852, die in der Zeit des preußischen Verfassungskonfliktes zerfiel. Im Dezember 1870 schlossen sich im Zeichen der Reichsgründung unter der Vorherrschaft des protestantischen Preußen Katholiken, besonders des Rheinlands und Westfalens, unter Führung von P. Reichensperger, C. F. von Savigny, H. von Mallinckrodt und Bischof E. von Ketteler zu einer neuen Partei des Zentrums zusammen, die im März 1871 mit 58 Abgeordneten in den Reichstag einzog. Zum Führer des Zentrums, das 1874-1914 etwa 100 Sitze behauptete, entwickelte sich bald L. Windthorst. Unter ihm wurde der Kulturkampf bestanden, der das Zentrum zwar konfessionell verengte, aber auch festigte und es zugleich zum Hort der Opposition gegen die kleindeutsch-preußische Staatsstruktur machte; die zur Zeit der Reichsgründung betont partikularistische und antipreußische »Bayerische Patriotenpartei« verschmolz 1887 mit dem Zentrum. Seit Bismarcks Übergang zur Schutzzollpolitik (1879) unterstützte das Zentrum seine Wirtschafts- und Sozialpolitik und erreichte dafür einen allmählichen Abbau der Kulturkampfgesetze. Unter Windthorsts Nachfolger als faktischer Führer des Zentrums, E. Lieber (seit 1891), verfolgte das Zentrum eine nationale und regierungsfreundliche Politik. Nach Liebers Tod (1902) trat der demokratische südwestdeutsche Katholizismus in den Vordergrund (M. Erzberger). Im Ersten Weltkrieg befürwortete das Zentrum zuerst einen »Siegfrieden« und Annexionen, schwenkte jedoch mit Erzberger in einen gemäßigten Kurs ein, der mit Linksliberalen und Sozialdemokraten im Juli 1917 zur Reichstagsmehrheit für die Friedensresolution des Reichstags führte. Mit G. Graf Hertling stellte das Zentrum erstmals einen Reichskanzler (November1917-September 1918).
 
Im November 1918 lehnte das Zentrum die revolutionäre Umgestaltung Deutschlands ab, stellte sich aber - nach starken innenparteilichen Auseinandersetzungen - auf den Boden der am 9. 11. 1918 ausgerufenen Republik; die in ihren Grundauffassungen betont konservative bayerische Landesorganisation des Zentrums konstituierte sich am 12. 11. 1918 als eigenständige Bayerische Volkspartei (BVP). Mit den »Leitsätzen für die Politik der deutschen Zentrumspartei« (30. 12. 1918 stellte das Zentrum sozialreformerischer Ziele in den Vordergrund. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung (19. 1. 1919 wurde es (mit der BVP) mit 19,7 % der Stimmen (91 Sitze) die stärkste bürgerliche Partei. Im Rahmen der Weimarer Koalition beteiligte sich die Partei (1919) maßgeblich an der Verabschiedung der Weimarer Reichsverfassung; sie engagierte sich besonders - im Sinne ihrer konfessionellen Grundausrichtung - bei der Formulierung der Kirchen- und Schulartikel. Außenpolitisch stimmte sie 1919 dem Versailler Vertrag zu.
 
Auf dem 1. Reichsparteitag (19.-22. 1. 1920) wurde die Institution des Parteivorsitzenden geschaffen: 1920-21 Carl Trimborn, 1921-28 W. Marx. Kurz zuvor hatte die BVP die von Erzberger als Reichsfinanzminister durchgeführte Reform der Reichsfinanzen (im Sinne der Stärkung der Reichsgewalt) zum Anlass genommen, die Fraktionsgemeinschaft mit dem Zentrum in der Weimarer Nationalversammlung aufzukündigen. Bei den Reichstagswahlen in der Folgezeit erwies sich die Wählerschaft als relativ stabil; der Stimmenanteil des Zentrums fiel von (Juni 1920) 13,6 % (64 Sitze) und (Mai 1928) 12,1 % (62 Sitze) auf (März 1933) 11,2 % (73 Sitze). Die Partei war bis März 1930 an allen parlamentarisch gestützten Reichsregierung beteiligt und stellte in dieser Zeit mit K. Fehrenbach 1920-21, J. Wirth 1921-22 sowie Marx 1923-24 und 1926-28 den Reichskanzler. Bei den Reichspräsidentenwahlen 1925 kandidierte Marx für die Parteien der Weimarer Koalition, unterlag jedoch P. von Hindenburg. Trotz starker ideologischer Konflikte mit der SPD - besonders auf kulturpolitischem Gebiet - arbeitete das Zentrum besonders in Preußen mit der Sozialdemokratie zusammen. Auch in Baden, Hessen und Württemberg beteiligte es sich an den Landesregierungen. Auf vielfältige Weise war es mit den christlichen Gewerkschaften (A. Stegerwald) verbunden.
 
Mit dem Übergang des Parteivorsitzes auf Prälat L. Kaas (1928-33) verstärkten sich in der Partei auf Reichsebene konservative Tendenzen. H. Brüning, führendes Mitglied des Zentrums und Parteivorsitzender 1933, versuchte als Reichskanzler (März 1930-Mai 1932) an der Spitze einer nur vom Vertrauen des Reichspräsidenten von Hindenburg getragenen Regierung durch Stärkung der Staatsautorität den Rechtsstaat gegen den anschwellenden Links- und Rechtsradikalismus zu sichern. Gegen Ende 1932 beteiligte sich die Partei an Versuchen, die NSDAP durch Einbindung in Regierungsverantwortung zu »zähmen«. Nach dem Regierungsantritt Hitlers verharrte sie bei ihrer taktierenden Linie gegenüber dem Nationalsozialismus und stimmte im März 1933 dem Ermächtigungsgesetz zu. Als letzte der bürgerlichen Parteien löste sich das Zentrum am 5. 7. 1933 selbst auf. Einige Persönlichkeiten (z. B. Brüning) sahen sich zur Emigration gezwungen, andere leisteten der nationalsozialistischen Diktatur Widerstand, u. a. E. Bolz, A. Hermes, J. Kaiser, J. Wirmer (zum Teil beteiligt am Attentat vom 20. 7. 1944).
 
Im Frühjahr/Sommer 1945 riefen die meisten der überlebenden Mitglieder der früheren Führungsgeneration des Zentrums zur Gründung einer überkonfessionellen christlichen »Sammlungspartei« auf oder sie waren wie K. Adenauer, bald Mitbegründer der Christlich Demokratischen Union Deutschlands. Die neu gegründete »Deutsche Zentrumspartei« (H. Wessel) hatte zeitweilig in Nordrhein-Westfalen größere Bedeutung (bis 1958 Regierungs-Beteiligung).
 
 
K. Bachem: Vorgesch., Gesch. u. Politik der Dt. Z.-Partei, 9 Bde. (1927-32, Nachdr. 1967-68);
 R. Morsey: Die Dt. Z.-Partei 1917-1923 (1966);
 R. Morsey: Der Untergang des polit. Katholizismus. Die Z.-Partei zw. christl. Selbstverständnis u. »Nationaler Erhebung« 1932/33 (1977);
 G. Grünthal: Reichsschul-Ges. u. Z.-Partei in der Weimarer Rep. (1968);
 D. Junker: Die Dt. Z.-Partei u. Hitler 1932/33 (1969);
 
Protokolle der Reichstagsfraktion u. des Fraktionsvorstandes der Dt. Z.-Partei 1926-1933, hg. v. R. Morsey (1969);
 
Die Protokolle der Reichstagsfraktion der Dt. Z.-Partei 1920-1925, hg. v. R. Morsey: (1981);
 
Die Minderheit als Mitte. Die Dt. Z.-Partei in der Innenpolitik des Reiches 1871-1993, hg. v. W. Becker (1986);
 K. Ruppert: Im Dienst am Staat von Weimar. Das Z. als regierende Partei in der Weimarer Demokratie 1923-30 (1992).
 

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Zẹn|trum, das; -s, ...tren [mhd. zenter < lat. centrum = Mittelpunkt < griech. kéntron, eigtl. = Stachel(stab); ruhender Zirkelschenkel, zu: kenteĩn = (ein)stechen; 4: nach den Plätzen der Partei in der Mitte des Sitzungssaales im Parlament]: 1. Mittelpunkt, Mitte: das Z. eines Kreises, einer Kugel; wo liegt das Z. des Erdbebens?; das Z. (Zool., Med.; der innere, mittlere Bezirk) eines Organs; Jeder Seiende, der nach oben in den Himmel sieht, fühlt sich als das Z. des Universums (Strauß, Niemand 138); der Bergfried ..., ein turmartiger Bau, meist im Z. der Anlage (Bild. Kunst III, 41); wir waren ... im Z. des Gewitters, wo Blitz auf Blitz folgte (Eidenschink, Fels 100); im Z. (Stadtzentrum) wohnen; Ü etw. steht im Z. des öffentlichen Interesses, der Diskussion; Neben der Einführung von Stoffkreisläufen vor allem für Wasser stehen Verfahren zur Rückgewinnung von Wertstoffen ... und die maximale Nutzung von Sekundärrohstoffen im Z. der Arbeit (Freie Presse 15. 2. 89, 5). 2. a) zentrale Stelle, die Ausgangs- u. Zielpunkt ist; Bereich, der in bestimmter Beziehung eine Konzentration aufweist u. daher von erstrangiger Bedeutung ist: das industrielle Z. des Landes; die Stadt ist ein bedeutendes wirtschaftliches, kulturelles, geistiges Z.; die Zentren der Macht; In Deutschland ist besonders das Rheinland Z. der romanischen Architektur (Bild. Kunst III, 19); Die Küche wird so zum Z. vieler Aktivitäten (Wohnfibel 10); Die freiwillige Anerkennung der Autorität eines -s (einer Zentralgewalt) durch die herrschenden Parteien souveräner Staaten (Fraenkel, Staat 54); b) einem bestimmten Zweck dienende zentrale Einrichtung; Anlage, wo bestimmte Einrichtungen (für jmdn., etw.) konzentriert sind: ein Z. für die Jugend; Der Klubrat legt seine Gedanken für den Jahresplan dar: Exkursion mit der Filmkamera, Ausbau eines technischen -s ... (Wochenpost 6. 6. 64, 8); Honeywell eröffnet europäisches Z. für Gebäudeautomation (CCI 4, 1978, 80). 3. (Anat., Physiol.) Nervenzentrum: dass der Gesamtrhythmus durch automatische Zentren im Rückenmark gesteuert wird (Wieser, Organismen 135). 4. <o. Pl.> Partei des politischen Katholizismus im Bismarckreich u. in der Weimarer Republik. 5. (Schach) Mittelfeld des Schachbretts.

Universal-Lexikon. 2012.

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